Aufführung von Haydns Schöpfung in der Stadtkirche gefeiert
Stehende Ovationen für Bezirkskantor Paul Hafner und seine Musikerinnen und Musiker standen am Ende der Aufführung von Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ am Erntedanktag.
In der nahezu ausverkauften Kirche boten das Vokalensemble des Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz, die Mannheimer Kammerphilharmonie sowie die Solisten Johanna Beier (Sopran), Ferdinand Dehner (Tenor) und Michael Roman (Bass) unter Hafners Leitung eine beseelte, facettenreiche und klangschöne Interpretation des zwischen 1796 und 1798 komponierten Werks.
Es erzählt in den ersten beiden Teilen mit musikalischen Bildern von der Erschaffung der Welt durch Gott. Die drei Erzengel Gabriel (Sopran), Uriel (Tenor) und Raphael (Bass) schildern die erstens sechs Tage, gipfelnd in der Erschaffung des Menschen. Interessanterweise spielt der siebte und letzte Schöpfungstag, an dem Gott ruht und der Welt damit den Sonntag schenkt, im Oratorium keine Rolle.
Im dritten Teil werden dann die Beziehungen der Menschen zu Gott und zueinander thematisiert, gekrönt von dem berühmten Liebesduett zwischen Adam und Eva. Alle drei Teile enden jeweils mit einem großen Lobgesang,
Paul Hafner dirigierte klar, mitreißend und mit feiner musikalischer Nuancierung. Die Mannheimer Kammerphilharmonie, bei der die Holzbläser aus dem hervorragenden Klang noch herausragten, ließ die Naturschilderungen des Oratoriums lebendig werden. Vor dem inneren Auge lief ein Film ab: Das Licht erhellte plötzlich die Welt; der Donner grollte, die Wasserfluten wichen zurück, die Tiere streiften umher.
Eindrucksvoll auch die Solisten: Johanna Beiers sang mit ihrem lyrischen Sopran ohne jede Härte und gleichzeitig klar und präzise; Ferdinand Dehner gestaltete die Tenorpartie völlig unangestrengt und schilderte die Schöpfungstaten Gottes mit ansteckender Begeisterung, und Michael Roman schaffte es mit seinem feinen, niemals dröhnenden Bariton, zwischen staunender Ehrfurcht und leiser Ironie zu balancieren.
„Die Musik hat eine Kraft der Darstellung, welche alle Vorstellung übertrifft“, schrieb ein zeitgenössischer Kritiker nach der Uraufführung vor mehr als 200 Jahren. Was damals galt, lässt sich auch über die Aufführung in der Stadtkirche sagen. Zum Dank gab es stehende Ovationen und donnernden Applaus.
Text: Steffen Groß


















