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Quelle: Sibylle Wegner Fotografie

Zielvereinbarungen

Evangelische Kirchengemeinde beschließt Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit

Festgottesdienst zum Abschluss der Visitation mit Dekanin Annemarie Steinebrunner gefeiert 

Die Evangelische Kirchengemeinde wird sich in den kommenden sieben Jahren verstärkt auf bestimmte Ziele konzentrieren und andere Aufgaben zurückfahren. „Wir werden Schwerpunkte setzen. Das bedeutet aber auch, dass wir Leichtpunkte setzen müssen, also manche lieb gewonnen Angebote anders oder gar nicht mehr machen können“, betonte Pfarrer Steffen Groß in der Gemeindeversammlung in der gut besetzten Stadtkirche. Die Versammlung und der zuvor gefeierte Festgottesdienst bildeten den Abschluss der Visitation, bei der eine Kommission mit Dekanin Annemarie Steinebrunner an der Spitze die Arbeit der Kirchengemeinde unter die Lupe genommen hatte. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Frage, wie sich die Kirchengemeinde angesichts sinkender Mitglieder- und Kirchensteuerzahler zukunftsfähig aufstellen kann.. 

„Worauf konzentriert sich die Kirchengemeinde in den nächsten Jahren? Was sind die nächsten Schritte? Dabei ist das Augenmerk besonders auf Kooperationen und Vernetzungen gerichtet“, heißt es in den Zielvereinbarungen, mit denen der Kirchengemeinderat die Ergebnisse einer „erfüllten Arbeit von 10 Tagen“(Dekanin Steinebrunner) gebündelt hatte. 

„Bei alldem kommt es darauf an, dass wir zuerst festlegen, wo wir inhaltlich hinwollen und welche Aufgaben die Schwerpunkte bilden sollen. Erst wenn wir eine Strategie haben, stellt sich im nächsten Schritt die Frage, welche Gebäude, Mitarbeiter und finanzielle Ressourcen wir dafür brauchen“, so Pfarrer Groß. Es sei etwa wenig sinnvoll, erst über Gebäude nachzudenken und dann zu überlegen, wie man diese dann mit Leben füllt. 

Gottesdienste, Kirchenmusik, die Arbeit mit Kindern sowie Angebote für alle Generationen sollen besonders in den Fokus genommen werden. Auch die Diakonie wird in Zusammenarbeit mit Diakonischem Werk, Asyl-AK oder dem evangelischen Diakonieverein, der Stadt  und anderen Partnern gestärkt. Eine bessere Vernetzung der Mitarbeitenden und die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher gehört ebenso zum Aufgabenkatalog wie die Zusammenarbeit in der Region, zu der neben Schwetzingen Brühl, Ketsch, Oftersheim, Plankstadt und Eppelheim gehören. „Diese Zusammenarbeit klappt schon jetzt sehr gut“, freut sich Pfarrer Groß, „etwa bei der gemeinsamen Predigtreihe am Anfang jeden Jahres.Die Stadtkirche wird künftig auch außerhalb der Gottesdienstzeiten zugänglich gemacht. 

Bei den Gebäuden muss besonders gespart werden. „Die jetzige Gesamtfläche der Gebäude kann künftig von der Kirchengemeinde nicht mehr finanziert werden“, heißt es nüchtern in den Zielvereinbarungen. „Das heißt aber nicht, dass wir uns unbedingt von Gebäuden trennen müssen“, erläutert Pfarrer Groß. „Vielmehr kommt es auf kreative neue Nutzungskonzepte an.“ So werden für alle drei Standorten, also für die Kleinen Planken rund um die Stadtkirche, für das Melanchthon-Haus in der Oststadt  sowie für den Hirschacker Kooperationen mit der Stadt, der katholischen Seelsorgeeinheit oder dem Rhein-Neckar-Kreis geprüft. Das Gebäude des Kindergartens „Arche Noah“ im Schälzig gehört ohnehin der Stadt, hier ist die Kirchengemeinde nur Träger der Einrichtung. „Eine Vorentscheidung über die Gebäudefrage gibt es nicht, auch keine interne“ so Pfarrer Groß. 

Bei der inhaltlichen Arbeit wird besonderes Augenmerk auf die Gottesdienste insbesondere in der Stadtkirche legen. „Um möglichst viele Menschen ansprechen zu können, sollen weitere unterschiedliche Gottesdienstformen ausprobiert werden. Dabei werden verschiedene Zielgruppen, Orte und Zeiten berücksichtigt“, heißt es in den einstimmig vom Kirchengemeinderat verabschiedeten Zielvereinbarungen. Dabei sei etwa ein „After-Work-Gottesdienst“ denkbar. „Dazu wird ein „Workshop-Tag Gottesdienst“ veranstaltet. Die Ergebnisse münden in einem Gottesdienstkonzept. Es wird bis 2021 veröffentlicht in Vernetzung mit der Kirchenmusik“, heißt es weiter. 

„Unsere Stadtkirche ist ein besonderer, spiritueller Raum, in dem schon seit Generationen gebetet, gelobt und geklagt wird. Dieser Raum ist unser Schatz. Wir werden in zukünftig auch außerhalb der Gottesdienste öffnen, damit Menschen dort still beten oder einfach die Atmosphäre genießen können.“  Ein Testlauf am vergangenen Samstag zeigte bereits, dass dieses Angebot einen Nerv trifft. Immer wieder zogen sich Marktbesucher in die Kirche zurück. „Und die Marktleute passen auf, dass niemand etwas klaut“, so Pfarrer Groß mit einem Lächeln. 

Auch die Kirchenmusik wird gestärkt. „Viele Menschen werden durch diese  Art der Verkündigung angesprochen – aktiv mitwirkend oder zuhörend“, heißt es in den Zielvereinbarungen. Auch die Einstellung einer weiteren Fachkraft für den Kinder- und Jugendbereich ist erwünscht und soll zeitnah geprüft werden.  Weiter heißt es: „Der Kirchengemeinderat bedenkt bei allen künftigen Planungen, dass die Chöre und musikalischen Gruppen geeignete Räume zum Proben brauchen.“ 

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Arbeit mit Kindern: Der Kirchengemeinde bieten sich über die vier evangelischen Kindertagesstättenzahlreiche Anknüpfungsunkte, um Kindern und Familien die christliche Botschaft weiterzugeben. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Pfarrer Groß, derzeit Geschäftsführer der Gemeinde und aller Kindertagesstätten. „Um die Einrichtungen mehr zu vernetzen und die Pfarrer von den geschäftsführenden Aufgaben zu entlasten, wird in Absprache mit der Stadt, die Stelle eines/einer Koordinator/in für Kindergartenarbeit geschaffen“, formuliert dazu die Zielvereinbarung. „Wir sind dazu in guten Gesprächen mit der Stadtverwaltung“, so der Pfarrer. Ein gemeinsames Leitbild soll als Dach der inhaltlichen Arbeit dienen. 

Bei den Angeboten für alle Generationen soll verstärkt auf Zusammenarbeit gesetzt werden.

Die Angebote der Kirchengemeinde richten sich an alle Generationen. Ein gelungenes Beispiel sei das Hilda-Café immer donnerstagsvon 15 bis 17 Uhr im Hebelhaus, das der Evangelische Diakonieverein und die Stadt Schwetzingen gemeinsam verantworten.

Verstärkt werden generationsübergreifende Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten in den Blick genommen, etwa die Tanzveranstaltung zu Beginn des Basars. 

Auch wenn die Kirchengemeinde weitere Ehrenamtliche, etwa im Besuchsdienst, sucht: „Wir haben keinen Schwund an Mitarbeitenden“, stellt Pfarrer Groß klar. „Aber engagierte Christenmenschen können wir gar nicht genug haben, denn es gibt genug für Gott und die Menschen zu tun.“ Damit all das finanzierbar ist, wird verstärkt auf Spenden und Fundraising gesetzt. 

Ob die Gemeinde angesichts all dieser Herausforderungen in der Krise sei, wie manche mutmaßten? „Das Gegenteil ist der Fall“, so der Pfarrer. „Unser Lieblingslied in der Kirche ist derzeit ,Vertraut den neuen Wegen auf die der Herr uns weist.´ Und genau so machen wir das.“